Gründen…

Jetzt bin ich also stolze Gründerin. Gründen oder nicht gründen ist eine Frage, die man ziemlich lange mit sich herumtragen kann – besonders wenn man einen tollen Job hat. Irgendwann fällt dann die Entscheidung… und dann kommen von allen möglichen Seiten Unterstützung und jede Menge Inspiration.

Dafür möchte ich ganz besonders danken: meinem Berufsberater von Kindesbeinen an namens Daddy, Mzee Umberto für vieles und für die afrikanische Perspektive, meinem liebsten Zauberer für Logo und mehr, den Herren von der Gründungsakademie HaNo für das Coaching mit vielen Exkursen außerhalb des Standard-Programms, der Agentur für Arbeit für die allzeit profunden Auskünfte und für die Gründungsunterstützung sowie der Community vom Immenstädter seven-work-space für das schöne Arbeitsambiente.

Es ist gerade nicht die Zeit für große Gründungsfeierlichkeiten. Aber aus dem Space wurden gute Wünsche mit ausreichend Schutz überbracht..

Viele Kolleginnen und Kollegen aus dem weitläufigen Netzwerk von GeographInnen und RegionalentwicklerInnen haben mich in den letzten Monaten und Wochen mit Tipps & Tricks versorgt – einige haben das in besonderem Maße getan und wissen sicherlich, dass sie hier angesprochen sind. Danke! Ich hoffe, wir werden weiterhin eine so gute und vertrauensvolle Kooperation pflegen.

Was gibt es jetzt bei „Akteure und Regionen“? Ich werde rund um die Themen Regionalentwicklung, Nachhaltigkeit, Strategie-Entwicklung und Beteiligungsprozesse beraten und moderieren und mich dafür einsetzen, dass das vielfältige Wissen dazu weiter verbreitet wird. Ich freue mich auf vielfältige neue Aufgaben!

Weinberg-Patenschaft – mit Freunden die Kulturlandschaft schützen und Spaß dabei haben…

Wer von uns möchte nicht die Welt ein bisschen besser machen? Immer wieder gelingt uns das auch – oft ganz individuell im Kleinen. Manchmal aber sind es auch tolle größere Initiativen und Projekte, die verwirklicht werden, ohne dass die „Macher“ viel Aufhebens darum machen. Vorhaben ohne viel Rummel und ohne Website, nichtsdestoweniger sehr nachahmenswert.

Eines dieser Projekte spielt an der Mosel: Die Region ist seit hunderten von Jahren Weinbaugebiet. Die Flächen dort bringen alles mit, was für Spitzenweine nötig ist: Die für hochwertigen Riesling perfekt zusammengesetzten Schiefer-Böden, das richtige Klima und viel Expertise bei den Winzern. Dennoch ist der Weinbau in den letzten Jahrzehnten einem Strukturwandel unterworfen, in dessen Folge immer mehr Weinbergsflächen brach fallen. Statt der gepflegten Reben gibt es dann wuchernde Brombeeren und Gestrüpp – das wollen Mosel-Gäste eigentlich nicht sehen.

Weinberge an der Mosel. Im Vordergrund eine der bereits brachgefallenen Flächen, dahinter wächst der Geo-Wein.

Vor über zwanzig Jahren war all dies Thema in einer Lehrveranstaltung im Fachbereich Geographie an der Universität Trier. „Da muss man doch was machen“, dachten sich einige der damaligen studentischen Teilnehmer. Ein Stück Weinberg kaufen oder selber bewirtschaften war die erste Idee – aber schnell kam die Einsicht, dass dafür wohl doch das nötige Know-How fehlt. Durch Vermittlung des Professors wurde das Trüppchen dann in Kontakt gebracht mit einem aufgeschlossenen Winzer und gemeinsam wurde die Idee verwirklicht: Um die Jahrtausendwende übernahmen die mittlerweile über ganz Deutschland verteilten und in Lohn und Brot stehenden ehemaligen Studenten die Patenschaft für eine Weinbergsparzelle mit rund 1.000 Stock. Ein Jahr später kam der erste „Geo-Wein“ in die Flasche. Bei Lust und Laune helfen die Geo-Winzer bei der Lese und verkosten gemeinsam mit dem Winzer im Weinkeller das edle Tröpfen, bevor es auf die Flasche kommt. Nicht nur, dass sie im Laufe der Jahre selber noch viel mehr über den Weinbau und die Wein- und Kulturlandschaft an der Mosel gelernt haben, auch der Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis wurde für die Belange des Weinbaus sensibilisiert und begeistert. So ist für die meisten das jährlich im Sommer stattfindende „Weinbergsfest“, bei dem inmitten der Rebenlandschaft der neue Jahrgang präsentiert wird, ein fest etablierter Termin im Kalender.

Bevölkerungsbeteiligung, Partizipation, bottom-up, Stakeholder Engagement…

… diese und weitere Begriffe werden verwendet, wenn Akteure in Vorhaben und Projekte bzw. in Entwicklungs- oder Veränderungsprozesse einbezogen werden. In manchen Bereichen wird schon sehr lange mit Beteiligung gearbeitet (etwa in der Entwicklungszusammenarbeit), an anderer Stelle gibt es noch vergleichsweise wenige Erfahrungen damit (z.B. in der Grundlagenforschung). Es gibt gute Gründe für Beteiligung (z.B. um praxistaugliche Ergebnisse zu erzielen oder um Akzeptanz für bestimmte Maßnahmen zu schaffen). Beteiligung kann unterschiedlich intensiv gestaltet werden (von Alibi-Beteiligungsprozessen am einen Ende der Skala bis hin zu echter Selbstmobilisierung am anderen Ende). Und zur Umsetzung von Beteiligung steht eine riesige Bandbreite an Möglichkeiten und Instrumenten zur Verfügung.

Zu beobachten ist vor allem: Wenn mehrere Leute über Beteiligung sprechen, meinen sie bei weitem nicht immer das selbe. Deshalb ist vor jedem Beteiligungsprozess zunächst einmal zu klären, aus welcher Perspektive und mit welchem Ziel Beteiligung betrieben werden soll. Wird von Betroffenen ein gesetzlich verankertes Recht auf Mitsprache eingefordert, so wie es bei den formalen Instrumenten wie Petitionen oder Bürgerentscheiden der Fall ist? Oder arbeitet eine Organisation, eine Kommune oder ein Unternehmen auf freiwilliger Basis mit informellen Beteiligungsinstrumenten, wie z.B. einer Zukunftswerkstatt oder Bürgergutachten? Gerade im Bereich der formellen Instrumente wird Bürgerbeteiligung von Projektverantwortlichen oftmals als „störend“ empfunden oder als Verhinderungsinstrument gesehen. Die andere Seite wird dann übersehen, nämlich dass Bürgerbeteiligung – zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt und mit den richtigen Instrumenten versehen – einen ungemeinen Mehrwert für dauerhaft erfolgreiche Projekte und Prozesse liefern kann.

Ganz wichtig ist dabei immer: Die Herangehensweise und die Art der Beteiligung muss zur gestellten Aufgabe passen. Ich unterstütze Sie gerne dabei, das richtige Instrument für Ihr Vorhaben zu finden!

Was ist (nachhaltige) Regionalentwicklung und warum brauchen wir das?

Warum betreiben wir überhaupt Regionalentwicklung? Und worum geht es da genau? Wer sich näher mit dem Thema beschäftigt, ist jedenfalls nicht überrascht darüber, dass so ein Konzept wie (nachhaltige) Regionalentwicklung früher oder später entstanden ist.

Am Anfang unseres Tuns steht ja meist ein Problem oder ein Handlungsbedarf, zum Beispiel der Klimawandel (früher: „saurer Regen“), demographische Entwicklungen („es wird immer schwerer, einen Platz im Altenheim zu bekommen“) oder nachlassende Wirtschaftskraft in einem Raum („in der Stadt gibt es bessere Arbeitsplätze“). Dem versuchten Politik und Verwaltung seit jeher entgegen zu wirken – mit ihren Instrumenten und mit unterschiedlichem Erfolg. Sicherlich gab und gibt es viele wirksame Maßnahmen und manchmal wünschte man sich noch mehr davon (z.B. gesetzliche Regelungen und Schwellenwerte für Emissionen). An anderer Stelle aber stießen diese regulativen Ansätze an ihre Grenzen. Sie passten nicht zum Problem, fanden keine Akzeptanz oder ließen Potenziale ungenutzt.

So setzte sich nach und nach die Erkenntnis durch, dass manche Maßnahmen eben nicht funktionieren, wenn sie einfach nur „von oben“, also z.B. einer zentralen Regierung aus, verordnet werden. Es werden sich Allgäuer mit anderen Fragestellungen beschäftigen als Moselfranken, Ostfriesen oder Sachsen – da liegt es nahe, an die jeweiligen Gegebenheiten angepasste Lösungen zu suchen. Umgekehrt können am anderen Ende der Skala, auf der örtlichen Ebene, zwar angepasste Lösungen gefunden werden, aber bisweilen fehlt die kritische Masse zur Umsetzung. Und schlimmer noch: Wenn die Individualisierung zu weit getrieben wird, haben wir das wenige effiziente Kirchturmdenken („Jedem Bürgermeister ein Spaßbad in seiner Gemeinde“). Die Ebene der Region bietet also eine geeignete räumliche Einheit für viele Fragestellungen.

Und die Entwicklung? Auch in diesem Arbeitsbereich setzte in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein genereller Wandel ein: von der „Hilfe von oben“ hin zum Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auf internationaler Ebene wurde etwa der früher verwendete Begriff „Entwicklungshilfe“ zunehmend durch „Entwicklungszusammenarbeit“ ersetzt. Entsprechend änderte sich das Instrumentarium, partizipative Ansätze gewannen immer mehr an Bedeutung in der Entwicklungsarbeit. Nicht nur in den sog. Entwicklungsländern, auch in unserem heimischen Kontext wurde immer mehr Bevölkerungsbeteiligung betrieben.

Mit der Regionalentwicklung haben wir demnach einen Ansatz, der erstens auf einer (für viele Fragestellungen) geeigneten räumlichen Ebene wirkt (kleiner als die Nation, größer als die Gemeinde), und der zweitens nicht mehr so sehr das Administrative und Regulative, sondern vielmehr das Einbeziehen der Menschen und ihrer Fähigkeiten in den Vordergrund stellt (vom Paragraphen zum Menschen).

Endogene Regionalentwicklung, nachhaltige Regionalentwicklung, Regionale Governance u.a.m. sind Ausprägungen, die sich mit der Zeit entwickelt haben, wobei die Konzepte große Schnittmengen miteinander aufweisen.

Regionalentwicklung in diesem Sinn gibt es nun zwar seit mehreren Jahrzehnten und der Ansatz breitet sich weiterhin aus. Gleichzeitig scheint das Konzept aber (bei aller erwünschter Flexibilität) noch nicht stark genug verfestigt, dass nicht auch weiterhin wenig nachhaltige Entwicklungen zu beobachten wären (dass z.B. von Regionalentwicklung gesprochen wird, es letztlich aber nicht um einen ganzheitlichen Ansatz, sondern vorrangig um wirtschaftliche bzw. finanzielle Aspekte geht). Ziel von Akteure und Regionen ist es, eine nachhaltige Regionalentwicklung im echten Sinn voran zu treiben und diejenigen dabei zu unterstützen, denen es ernst damit ist. Nachhaltigkeit wird hier nicht immer explizit dazu gesagt, aber ausnahmslos immer dazu gedacht.

Die Schwierigkeit des ersten Eintrags … da hilft nur Vielfalt!

Frische Gedanken zur Regionalentwicklung … mit was für einem Eintrag fängt man einen solchen Blog am besten an? Egal womit – man setzt einen Schwerpunkt und legt sich damit (womöglich vorzeitig) fest. Ist das sinnvoll, wenn es um Regionen, um Menschen, um Kommunikation, um Beteiligung und um nachhaltige Entwicklung gehen soll?

Jede Region hat andere Besonderheiten, jeder Mensch ist einzigartig. Bei der Kommunikation geht es drunter und drüber, wenn die Worte und die Kanäle nicht zu den Adressaten passen. Beteiligung kann in einer ganzen Bandbreite von Alibi-Partizipation bis hin zu echter Mitbestimmung gedacht werden. Und nachhaltige Entwicklung beinhaltet – neben der zeitlichen Komponente und der Notwendigkeit von Steuerung im Sinne einer Governance – die berühmten drei Säulen, die stets gleichwertig nebeneinander mitzudenken sind.

Deshalb soll dieser erste Eintrag vor allem ein Plädoyer für die Vielfalt unseres Denkens und unseres Tuns sein. Freuen wir uns nicht, wenn uns im Alltags-Einerlei eine kleine Besonderheit oder eine interessante Begegnung ereilt? Ist es nicht so, dass gerade aus dem Zusammenführen vielfältiger Einzelteile – z.B. in Form von Kooperationen – Neues entsteht und Innovationen gedeihen? Und dass verschiedene Meinungen uns im Ringen um die besten Strategien und Lösungsansätze helfen?

All diese Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven näher zu beleuchten (gewissermaßen mit vielfältigem Blick) und dabei zu frischen Gedanken anregen – darum soll es in diesem Blog gehen. Viel Spaß damit!